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Von schaurigen Gesellen und mystischen Gestalten

6. Oktober 2016

Wenn im SalzburgerLand die Tage kürzer werden, beginnt die Zeit der Sagen, Mythen und Legenden. Anglöckler, Krampusse sowie Schön- und Schiachperchten können in der Zeit rund um Weihnachten bestaunt werden. Ihre Umzüge sind faszinierend anzusehen und oft verbirgt sich bei näherer Betrachtung ein profaner Kern hinter den uralten Bräuchen.

 

  • Gottes Werk & Teufels Beitrag: Schiache Perchten und schöne Tresterer

Wie die Christkindlmärkte sind auch Percht und Krampus aus der Salzburger Weihnachtszeit nicht wegzudenken, nirgendwo sonst ist dieser Brauch so lebendig wie in den Alpenregionen. Die schiachen („hässlichen“) Gesellen kommen mit Glocken und Geschrei ganz und gar nicht friedlich daher und passen auf den ersten Blick nicht in die „stille Zeit“ – dafür sind sie umso spannender anzusehen. Die kulturellen Wurzeln der Perchten liegen im Unklaren – die Spurensuche führt aber über mittelalterliche Prozessionen und Teufels­darstellungen bis hin zu vorchristlichen, archaischen Ritualen. Begegnen kann man Krampus und Percht bei zahlreichen Umzügen und Perchtenläufen, die meist um das Fest des Heiligen Nikolaus‘ am 5. oder 6. Dezember stattfinden.

Eine Ausnahme unter den grusligen Gestalten bilden dagegen die sogenannten Schönperchten. Die grazilen Gestalten sind von italienischen Bräuchen beein­flusst und vor allem in den Regionen Pongau und Pinzgau zuhause: Tresterer-Gruppen gibt es zum Beispiel in Stuhlfelden, Zell am See und Unken. Wer die ganz besonders faszinierenden Schnabelperchten aus Rauris, die Tresterer in Stuhlfelden oder den Brotperchten aus Unken erleben will muss sich bis zum Januar gedulden.

Die Tresterer – Im Zeichen der Fruchtbarkeit
Sie tragen Anzüge aus feuerrotem Brokat und einen mit bunten Seidenbändern verzierten Hut. Die Tresterer in Stuhlfelden sind einzigartig im SalzburgerLand und eine der ganz besonderen Brauch­tumsgruppen unter den Perchten. Die rund 30 männlichen Mitglieder bereiten sich über Wochen auf ihren großen Auftritt vor, lassen ihre Kostüme nähen und üben die tausend Jahre alten Tänze und Sprünge, die das unverkennbare Trestern – „Stampfen“ – ausmachen. Dabei schwingen sie ihre mit Fruchtbarkeitssymbolen bestickten Tücher, deren Wirkung nicht unterschätzt werden sollte.
In Stuhlfelden sind die Tresterer am Abend des 6. Januar unterwegs, sechs Stationen liegen auf ihrem Weg. Den Abschluss bildet der über 560 Jahre alte Unterzehentnerhof im Ortsteil Pirtendorf. Der Brauch will es so, dass nur in Bauernstuben getrestert wird. In Stuhlfelden werden Traditionen hoch gehalten, zum publikumswirksamen Spektakel soll das Brauchtum nicht verkommen. Deshalb gibt es keine öffentlichen Vorführungen. Doch Gäste sind in den Bauernhöfen herzlich willkommen und spätestens wenn die Tresterer den heilbringenden Segen „An Fried, an Gsund und an Reim“ aussprechen, läuft allen die Gänsehaut über den Rücken.

Der Glöckler kommt
Um den 5. Januar sind in einigen Orten des Salzkammergutes, des Flachgaus, des Ennstales und in der Stadt Salzburg die Glöckler unterwegs. Es handelt sich dabei um Schönperchten, gute Lichtgeister, welche die bösen Rauhnachtsgeister endgültig vertreiben sollen. Die Glöckler sind weißgekleidete Männer, die mit mächtigen Kappen auf dem Kopf durch den Ort ziehen. In der Hand führen die Anführer den langen Glöcklerstock, und bei allen Glöcklern hängen an einem Ledergürtel Glocken und Schellen. Das Besondere der Glöckler sind die großen Kappen, die von innen beleuchtet sind.

Schnabelperchten im Raurisertal
Im Raurisertal sind ab dem späten Nachmittag des 5. Januar die Schnabelperchten unterwegs. Diese Sonderform der Perchten gibt es nur noch im Raurisertal. Schnabelperchten sind Perchten mit kunstvoll und aufwändig gebundenen, langen Schnäbeln, Strickjacken, geflickten Weiberkitteln und “Dotschen” und sie sind mit Buckelkorb, einer großen Schere, Nadel und Zwirn und einem Besen ausgestattet. Im Gegensatz zu den lauten Schiachperchten ziehen die Schnabelperchten mit einem leisen “Ga Ga Ga” durch die Gassen und von Haus zu Haus, um sich von Ordnung und Sauberkeit zu überzeugen. Wehe dem, der sein Haus nicht geputzt hat… Grundsätzlich sind sie aber gerne gesehene Gäste – bringen sie doch Glück und Segen für das kommende Jahr.

 

  • Große Perchtenveranstaltungen im SalzburgerLand

Wilde Jagd vom Untersberg
Der uralte Brauch der Wilden Jagd vom Untersberg, die am zweiten Donnerstag im Dezember stattfindet, verbindet christliches Brauchtum, heidnische Überlieferung und historische Wahr­heit. Es wird vermutet, dass das wilde Treiben auf keltische Rituale zurückgeht, die den Wind- und Totengott Wodan besänftigen sollten. Dieser treibt im Salzburgischen in der Gegend rund um den Untersberg sein Unwesen, wo er vor den Raunächten an einem möglichst geheim gehaltenen Ort auftaucht, lärmt, poltert und zu dumpfen Trommelschlägen und Pfeifenklang tanzt. Tod, Hexe, Habergoaß und Gestalten aus der Untersbergsage wie Moosweiberl, Saurüssel und Bär gehören zu den wichtigsten Figuren der Wilden Jagd, die jedes Jahr in einer anderen Untersberg-Gemeinde stattfindet.

Gollinger Perchtenspiel: Streit zwischen Sommer und Winter
Mit dem Spruch „Glück hinein – Unglück heraus, die Percht kimmt ins Haus“ begrüßt am 5. Januar die Perchtengruppe des Heimatvereins „D‘ Rabenstoana“ in Golling die Bauersleute, bevor zu den Trommelschlägen der Tanz der Perchten vor dem Bauernhaus beginnt. Das Spiel wurde nach mündlicher Überlieferung und nach Aufzeichnungen von Karl Adrian im Jahr 1996 wiederbelebt. Im Zentrum des Spiels steht das Streitgespräch von Sommer und Winter.

Pongauer Perchtenlauf: Die Schönen und die Schiachen
Abwechselnd finden um Dreikönig (6. Januar) große feierliche Perchtenzüge in Gastein, St. Johann im Pongau, Bischofshofen und Altenmarkt statt. Eine Vielfalt von Masken hat sich dabei im Laufe der Zeit in zwei Hauptgruppen gespalten. Die eine Seite führen die Schönperchten mit tafelartigem Kopfputz an, die andere Seite vertritt die „Schiachen“ mit furchterregenden Larven. 2017 findet der Pongauer Perchtenlauf in St. Johann statt. www.perchtenlauf.at

Viele weitere Krampus- und Perchtenläufe sowie traditionsreiche Veranstaltungen finden Sie unter www.salzburgerland.com.

 

  • Salzburger Bräuche während der Adventszeit

4. Dezember – Blühende Kirschzweige als Zeichen der Fruchtbarkeit
Als Patronin der Bergleute und in ihrer Darstellung mit Turm und Schwert hat die Heilige Barbara eine wichtige Bedeutung im SalzburgerLand. Viele SalzburgerInnen stellen am 4. Dezember Kirschzweige in die Wohnung oder ins Haus. Wenn man Glück hat, öffnen diese bis zum Weihnachtsfest ihre Blüten und werden als Zeichen der Fruchtbarkeit gedeutet.

5. und 6. Dezember – Krampus und Nikolaus
Der Heilige Nikolaus ist ein Gabenbringer, der an den Tagen rund um den 6. Dezember anzutreffen ist. Gekleidet mit Bischofsmütze und Hirtenstab kommt er ins Haus, um die Kinder danach zu befragen, ob sie artig gewesen sind. Wird dies bejaht und obendrein ein Gedicht aufgesagt, dürfen sich die Kleinen über ein „Nikolaussackerl“ voll Naschereien, Mandarinen und kleinen Überraschungen freuen. Oft wird der Nikolaus von wilden, zotteligen Krampussen begleitet. Beim Krampuslauf ziehen die Verkleideten unter lautem Lärm ihrer Glocken und mit langen Ruten in der Hand durch die Straßen.

Drei Donnerstage vor Weihnachten – Klöpfelnächte und Anglöckler
Die drei Donnerstage vor Weihnachten werden die „heiligen Klöpfelnächte“ genannt und beziehen sich auf Christus und die Eucharistie. An diesen Abend ziehen die Anglöckler – auch Klöckler genannt – in traditionellem Gewand und mit Stöcken und Laternen in der Hand von Haus zu Haus. Wer ihnen die Tür öffnet, wird mit Gesang und Gedichten belohnt. So archaisch der Brauch anmutet, so hat er auch einen handfesten ökonomischen Hintergrund: Das Bitten um Gaben war seit dem Mittelalter Vorrecht jener, die sich im Winter keinen Lebensunterhalt verdienen konnten. Sie durften durch ideelle Leistung für die Gesellschaft ihr Brot verdienen und galten als Stellvertreter der armen Seelen.

Frautragen und Herbergsuche im Advent
Der Brauch des Frautragens gehört wie die Herbergssuche zu den Bräuchen der Ankündigung des Weihnachtsfestes. Die Gestalt Mariens in Erwartung oder ein Herbergsbild wird von Haus zu Haus getragen. Dort wird eine Andacht mit vorweihnachtlichen Gesängen und Gebeten abgehalten. Der Besuch des Frauenbildes bedeutet Schutz und Segen. Speziell im Pinzgau existieren noch viele private „Frauentafeln“, teils Originale aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

 

  • Bräuche rund und um das Weihnachtsfest

Raunächte – Rauchen, beten und keinesfalls Wäsche waschen
Zwölf Raunächte kennt man im SalzburgerLand: Sie beginnen mit dem Tag zwischen Thomas (21. Dezember) und enden zu Dreikönig (6. Januar). An diesen Tagen geht – so die Legende – die Percht um. Viele pflegen bis heute den Brauch des Rauchens: Mit der Rauchpfanne zieht man durchs Haus, durch die Stallungen und über den Hof – es soll dabei schlechte Energie vertrieben und Platz für Neues geschaffen werden, damit Glück, Liebe, Gesundheit und Segen in die Häuser einziehen kann. Oftmals wird das „Räuchern“ dadurch ergänzt, dass man Weihwasser sprengt oder den Rosenkranz betet.

Das Kindlein in der Krippe – zum Kripperlschauen
Neben dem Christbaum ist auch die Weihnachtskrippe ein typisches Symbol des Weihnachtsfestes. Im SalzburgerLand erinnern die kleinen Herbergen eher an kleine Almhütten, die oft von begeisterten Bastlern in liebevoller Kleinarbeit erstellt werden. Viele sind echte Kunstwerke, die in der Adventzeit in den Kirchen besichtigt werden können.

„Frisch- und g’sund-Schlagen“
Das hauptsächlich im Lungau am Unschuldigen-Kindl-Tag (28.12.) übliche Frisch- und g’sund-Schlagen (auch Pisna-Gehen genannt) soll Segen bringen. Mit frischen Birkenruten und Fichtenzweigen ziehen Kinder umher und jedem, dem sie begegnen, wünschen sie mit traditionellen Schlägen Glück und Segen. Im Lungau heißt es hier zum Beispiel: „Frisch und g‘sund, frisch und g‘sund, a freudenreichs, glückseligs neues Jahr und a Christkindl mit an kraustn Haar. Nöt klusn (jammern) und nöt klagen, bis i wieder kimm z‘ schlagen.“

 

  • Brauchtum im Frühling

Maria Lichtmess – Ende der Weihnachtszeit
Mit dem Fest Maria Lichtmess am 2. Februar endet die Weihnachtszeit: An diesem Tag werden die letzten Christbäume entsorgt, die Krippen wieder auf dem Dachboden verstaut und die Wohn­zimmer aufgeräumt. Lange Zeit war es auch der Tag des Dienstwechsels für Knechte und Mägde.

Aperschnalzen – zwischen Brauchtum und Wettkampf
Mit dem Aperschnalzen sollten einst die guten Geister, der Frühling und vor allem die Sonne wieder geweckt und die Finsternis und der Winter vertrieben werden. Die Peitsche für das Aperschnalzen wird „Goaßl“ genannt. Die Peitschenschnur ist ein Hanfseil mit einer Länge von bis zu vier Metern. Der Brauch des Aperschnalzens hat durch die Einführung des Wettkampfgedankens einen neuen Aufschwung genommen. So treffen beim Preisschnalzen die Aperschnalzer aus dem Rupertigau und dem Flachgau aufeinander.

Metzger Jahrtag und Fahnenschwingen
Der Jahrtag der Metzger wird am Faschingssonntag mit der Kraft- und Geschicklichkeitsprobe des „Fahnenschwingens“ sowie dem „Metzgersprung“ begangen. Nach dem Gottesdienst in der Salzburger Franziskanerkirche führt ein Festmarsch in den Hof zu St. Peter, wo die Metzgergesellen durch den Sprung in einen Holzbottich von den „Sünden“ während der Lehrzeit „rein gewaschen“ werden und beim Fahnenschwingen ihre Kraft unter Beweis stellen.