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Schatzkammer der Berge

7. März 2017

Wir sollten wieder aufmerksamer durch das Leben gehen. Den Blick auf die Welt um uns richten, sie intensiver und bewusster wahrnehmen. Wie oft erwische ich mich dabei, kopflos durch die Stadt Salzburg oder das nahe Hallein zu spazieren. Ohne darauf zu achten, welche Schätze hier auf mich warten, uns Tag für Tag wie selbstverständlich umgeben. Prunkbauten aus einer anderen Zeit, der Dom, die Residenz, die alte Saline und oben am Dürrnberg die noch heute zugänglichen Stollen des Salzbergwerkes.

Der historische Reichtum der Stadt Salzburg und des SalzburgerLandes nahm seinen Ausgang in den Schatzkammern der Berge und wurde durch die ideal gelegenen Wasserwege von Salzach und Saalach mehr als begünstigt. So verhalf er den Salzburger Fürsterzbischöfen zu ungeahnter Macht und ist noch heute vielerorts zu sehen und zu spüren. Man muss nur die Augen aufmachen und offen sein für Geschichten längst vergangener Tage.

Salzburg. Salzach. Hallein. Alles Namen, die noch heute darauf schließen lassen, dass das Salz in Salzburg und Umgebung in der Vergangenheit eine immense Rolle gespielt haben muss. Ursprünglich als Luvavum in der Provinz Noricum des römischen Reiches bekannt, emanzipierte sich die heutige Stadt Salzburg ab dem 8. Jahrhundert und führte fortan den Namen ‚Salzpurch’. Die Stadt, in der das Salz eine große Rolle spielt. Die fast gleichzeitig aufkommende Namensänderung des Flusses in Salzach deutet nicht nur auf einen gewollten und gezielten Bruch mit den römischen Traditionen hin, sondern auch auf die große Rolle des Flusses im Handel mit dem ‚weißen Gold’. Wo Salz und Wasser sonst noch bleibende und prägende Spuren hinterlassen haben, wie das Gold aus den Tauern Macht und Einfluss noch verstärkte und wie man wertvolles Brennholz aus den reichen Wäldern des Pinzgaus über die Saalach triften ließ, erfuhr ich auf einem Streifzug durch die Geschichte Salzburgs der letzten 2.000 Jahre.

Das Salz vom Dürrnberg
Salz war neben Gold und Silber jahrhundertelang die wichtigste Einnahmequelle der Salzburger Erzbischöfe und prägte nachhaltig die Geschichte des SalzburgerLandes. Doch schon vor deren Zeit, genauer gesagt ab 750 v. Chr., wurde am Dürrnberg oberhalb der Stadt Hallein begonnen, das ‚weiße Gold’ kommerziell abzubauen. Reger Handel setzte ein und verhalf der Region zu ihrer ersten Blütezeit. Und den damals in der Region lebenden Kelten zu beachtlichem Wohlstand. Pökeln, also das Einsalzen von Lebensmitteln, war lange Zeit die einzig bekannte Methode, deren Haltbarkeit deutlich zu verlängern. Kein Wunder also, dass die üppigen Salzvorkommen bald schon als Schatzkammer der Berge bezeichnet wurden. Nachdem unter den Römern der Abbau lange Zeit nahezu in Vergessenheit geriet, begann man im 12. Jahrhundert erneut, die Salzlager am Dürrnberg weit über den eigenen Nutzen hinaus abzubauen. Ab dem 13. Jahr­hundert wurde die Salzburger Saline in Hallein schließlich die wichtigste Salzgewinnungsanlage im süddeutschen Raum und brachte den mittelalterlichen Erzbischöfen von Salzburg einen Großteil ihres Vermögens ein. Durch Rohre wurde die Sohle vom Dürrnberg herunter geleitet und dort auf großen Pfannen versottet.

Salztransport auf Salzach und Saalach
Das Salz presste man in kegelförmige Holzbehälter und verschiffte die wertvolle Fracht über die Salzach Richtung Norden. Denn erst die Lage am Wasser ermöglichte den Salzburgern, Handel im großen Stil zu betreiben. Das Salz, das nicht nur aus Hallein, sondern ebenso aus den Salinen Reichenhall und Berchtesgaden kam, wurde auf sogenannten Hallfahrten über Inn und Donau bis zum Schwarzen Meer transportiert und dort verkauft. Die Salzach war jedoch nicht der einzige Fluss, der für das Funktionieren von Abbau und Handel eine bedeutende Rolle spielte. Während man in Hallein das Holz für den Salinenbetrieb hauptsächlich aus den umliegenden Wäldern schlug, griff man im nahen Reichenhall auf Lieferungen aus den Saalachtaler Südwäldern im heutigen Pinzgau zurück. Der Transport der schweren Ware war jedoch nur über den Fluss möglich und so perfektionierte sich über viele Jahrhunderte hinweg ein System aus Klausen, welches das Triften der Holzstämme über den gesamten Weg ermöglichte. Durch das Öffnen und Schließen der Klausen schwemmte man gezielt den Bereich hinter den Stämmen und half ihnen so, ihr Ziel zu erreichen. Es war eine harte und äußerst gefährliche Arbeit für die Triftknechte aus dem Pinzgau. Im Wasser stehend hatten sie die Aufgabe, das Holz in die richtige Richtung zu leiten, verkeilte Stämme zu befreien und die Klausen im richtigen Moment zu öffnen. Nicht selten verloren sie dabei ihr Leben und wurden zum Spielball der Elemente.

Das Gold der Hohen Tauern
Salz war nicht der einzige Schatz, der den Herrschern und Fürsterzbischöfen von Salzburg ihren immensen Reichtum und die daraus folgende Macht verlieh. Vor allem das Tauerngold, das man bereits vor mehr als 2.000 Jahren im Gasteinertal, in Rauris und in Fusch an der Glocknerstraße fand, trug das seine dazu bei, dass das kleine Salzburg ab dem 15. Jahrhundert zu großer Bedeutung aufstieg. Einer der Orte, wo das Edelmetall in großen Mengen in den Tiefen der Berge gefunden wurde, war Kolm-Saigurn im Rauristal. Bis ins Jahr 1923 wurde hier nicht nur in den Stollen gegraben, sondern das Gold auch in den Flüssen und Bächen gewaschen. Bis zur Entdeckung Amerikas und der späteren Ausbeutung der Rohstoffe Südamerikas machte das Tauerngold mehr als zehn Prozent der weltweiten jährlichen Goldfördermenge aus.

Spuren der Zeit
Doch wie es eben immer eine Kehrseite der Medaille gibt, so kam es durch Salz und Gold und deren immensen Wertes immer wieder zu offen ausgetragenen Konflikten. Der Salzkrieg von 1284 zwischen den erzbischöflichen Salinen von Hallein und den habsburgischen Salinen in Hallstatt und Aussee, der Salzkrieg Salzkammergut (1291-1297) zwischen Herzog Albrecht und Erzbischof Konrad IV. von Fohnsdorf von Salzburg, sowie der Salzkrieg von 1611, der Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau schließlich seine Freiheit für immer kosten sollte, sind nur einige Beispiele für die Wirren der Geschichte um die Schätze aus den Bergen. Auch wenn der Salzhandel ab dem beginnenden 19. Jahrhundert stark zurückging, das Bergwerk am Dürrnberg heute nur noch als Schaubergwerk dient und auch die Stollen in den Hohen Tauern für immer verlassen wurden, sind die Spuren dieser großen Zeit noch heute vielerorts im SalzburgerLand zu finden: Man denke nur an die vielen Prunkbauten aus der Zeit der großen und mächtigen Fürsterzbischöfe, die prächtigen Schlösser oder die Schätze in den Museen.

Machen Sie einfach die Augen auf, wenn Sie das nächste Mal durch die Stadt Salzburg streifen. Und denken Sie kurz daran, was alles nötig war, um die Schönheit und Pracht so zu erschaffen, wie wir sie heute bewundern dürfen.