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Joseph Mohr schrieb „Stille Nacht! Heilige Nacht!“

14. März 2018

Seine hohe Intelligenz und seine musikalische Begabung führten den Textautor des Liedes „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ aus einer bitterarmen Kindheit in die Arme der Kirche und zum Priesterberuf. Joseph Mohrs Schaffen (1792 – 1848) galt zeitlebens den Bedürftigen. Seine Worte von Jesus als Tröster und Retter gehen seit bald 200 Jahren als weihnachtliche Friedensbotschaft in 300 Sprachen und Dialekte durch die Welt.

Kindheit und Jugend von 1792 bis 1815 in der Stadt Salzburg

Joseph Franz Mohr kam am 11. Dezember 1792 in Salzburg als uneheliches Kind zur Welt. Seine Mutter war die Strickerin Anna Schoiber, gebürtig aus Hallein. Sein Vater, dessen Familie aus Mariapfarr im Lungau stammte, hieß Franz Mohr und war ein desertierter Musketier. Uneheliche Kinder trugen zu dieser Zeit zwar den Namen ihres Vaters, waren aber von Geburt an stigmatisiert. So bekam Mohr den letzten Salzburger Scharfrichter Joseph Wohlmut zum Taufpaten, der sich seinen schlechten Ruf durch den Kirchendienst als Taufpate lediger Kinder aufbesserte. Joseph Mohr wuchs mit drei weiteren unehelich geborenen Geschwistern im Haus in der Steingasse 31 auf: Ein elendes Quartier – so kalt, düster und feucht, dass Mohr zeitlebens an einer Lungenerkrankung litt. Doch der Bub war hoch begabt und der Salzburger Domchorvikar Johann Nepomuk Hiernle erkannte seine Talente. Er machte ihm den Besuch des Akademischen Gymnasiums möglich. Gleichzeitig war Mohr als Sänger und Violinist an den Chören der Universität und des Benediktinerstiftes St. Peter im Einsatz. Zwischen 1808 und 1810 studierte er Philosophie am Lyzeum des Benediktinerstiftes Kremsmünster in Oberösterreich. Nach dem Schulabschluss 1811 trat er ins Priesterseminar ein. Als unehelich Geborener brauchte er dafür eine kirchliche Sondergenehmigung. 1815 wurde der erst Dreiundzwanzigjährige zum Priester geweiht. Auch dafür brauchte er eine Extra-Genehmigung: Er hatte das vorgeschriebene Alter von 25 Jahren noch nicht erreicht.

Wortmächtig, sozial, unkonventionell: Wanderjahre von 1815 bis 1827

Zwölf Jahre lang, bis 1827, führte der junge Salzburger Geistliche ein unstetes Leben im Dienst der Kirche. Als Koadjutor, also als Assistent höher gestellter Priester, wirkte er in Orten wie Anthering, Golling, Kuchl, Eugendorf, Oberndorf und Bad Vigaun. Befördert zum Vikariatsprovisor, war er in Hof und in Hintersee tätig. Dort bekam er 1827 seine erste Stelle als Vikar. Erstmals in seinem Leben blieb er fast neun Jahre am Stück auf einem Posten bis er 1837 als Vikar nach Wagrain versetzt wurde: sein letzter Wirkungsort bis zu seinem frühen Tod 1848.

Selbst in bitterer Armut aufgewachsen, widmete sich Joseph Mohr sein Priesterleben lang Menschen in Not. In jungen Jahren offenbar so lässig und unbeschwert, dass einige vorgesetzte Pfarrer ihm vorwarfen, er vernachlässige seinen Dienst, besuche Gasthäuser, scherze mit Frauen oder singe „oft nicht erbauliche Lieder“. Weiter oben in der Kirchenhierarchie wies man diese Anschuldigungen allerdings als haltlos zurück. In der Stadt Salzburg galt Mohr als so wortgewaltig und theologisch versiert, dass er 1819 als Fastenprediger in den Salzburger Dom eingeladen wurde – eine große Ehre für einen erst 27 Jahre alten Hilfspriester.

Das berühmte Gedicht entstand 1816 im Wallfahrtsort Mariapfarr

Joseph Mohr trat 1815 seine erste offizielle Dienststelle als Hilfspriester an: in Mariapfarr im Lungau, dem Heimatort seiner Familie väterlicherseits. Das Geburtshaus seines Vaters, die uralte „Scharglerkeusche“, steht noch heute. Die aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirche „Zu unserer Lieben Frau“ in Mariapfarr ist von alters her eines der bekanntesten Wallfahrtsziele im SalzburgerLand. Das Gnadenbild der Schönen Madonna mit der Anbetung der drei Weisen lässt die Stille-Nacht-Forscher von heute vermuten, dass es Mohrs Inspirationsquelle für das sechsstrophige Weihnachtsgedicht „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ war, das der Jungpriester 1816 in Mariapfarr schrieb: Sein „holder Knabe im lockigen Haar“ ähnelt durchaus dem blondgelockten Christkind auf dem Gemälde. Mohr allerdings vertrug das raue Klima im Lungau nicht, er wurde krank und kam 1817 in mildere Salzburger Gefilde – nach Oberndorf an der Salzach.

„Stille Nacht! Heilige Nacht“ erklingt 1818 erstmals in Oberndorf

Vom Sommer 1817 an arbeitete Joseph Mohr als Koadjutor in Oberndorf. In der neuen, erst ein Jahr zuvor von Laufen jenseits des Salzachflusses abgetrennten Pfarre, gab es keinen Pfarrhof. Mohr bewohnte daher ein Zimmer im Mesnerhaus und verköstigte sich in den Dorfgasthöfen. In Oberndorf freundete er sich mit dem fünf Jahre älteren Lehrer Franz Xaver Gruber aus dem nahen Arnsdorf an, der in der St. Nikola-Kirche von Oberndorf den Kantoren- und Organistendienst versah. An Weihnachten 1818 bat Joseph Mohr seinen Freund Gruber um eine passende Melodie für sein 1816 in Mariapfarr verfasstes Gedicht. Nach der Christmette 1818 erklang erstmals „Stille Nacht! Heilige Nacht!“, gesungen von den beiden Freunden und von Joseph Mohr auf der Gitarre begleitet. Lange ging man davon aus, dass die Gitarre nur eine Alternative zur defekten Orgel darstellte: Viel wahrscheinlicher aber ist, dass Mohr immer schon die Gitarre als Begleitinstrument vorgesehen hatte. Denn das Lied wurde erst nach dem Gottesdient im Kirchenraum vor der Krippe gesungen.

Joseph Mohr vollendet sein Wirken als Sozialreformer in Wagrain ab 1837

Bereits im September 1819 verließ Joseph Mohr Oberndorf wieder. Mehrere Jahre war er in verschiedenen Pfarren im heutigen Tennengau und Flachgau im Einsatz. Nach fast neun Jahren in Hintersee wurde er 1837 als Vikar nach Wagrain versetzt. Dort wurde dank seiner Initiative eine Schule für die mehr als hundert Kinder gebaut, für die es zuvor nur einen einzigen Klassenraum gegeben hatte. Mohr gründete auch einen Ausgleichsfonds, um Kindern mittelloser Eltern den Schulbesuch zu ermöglichen. Auf seine Bemühungen geht auch das später geschaffene Armen- und Altenheim zurück. Am 4. Dezember 1848, knapp 30 Jahre nach der Vertonung seines Poems, starb der Dichter an einer Lungenlähmung – so arm, wie er geboren worden war. Seine einzige materielle Hinterlassenschaft war seine Gitarre, die später in den Besitz der Familie des Komponisten Franz Xaver Gruber kam. Den Siegeszug seines Gedichts als bekanntestes Weihnachtslied der Welt hat der „Priester der Armen“ nicht erlebt.