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Die Stille-Nacht-Orte in Oberösterreich

14. März 2018

Drei Stille-Nacht-Orte gibt es in Oberösterreich: In Hochburg-Ach wurde Franz Xaver Gruber geboren und hier verbrachte er seine Kindheit und Jugendzeit. In Ried im Innkreis absolvierte er seine Ausbildung zum Volksschullehrer und in Steyr erschien um 1830 der früheste bekannte Textdruck des Liedes „Stille Nacht! Heilige Nacht!“

 

Hochburg-Ach: Franz Xaver Grubers Kindheit, Schul- und Lehrzeit

Franz Xaver Gruber wurde am 25. November 1787 im Haus Unterweizburg 9 in dem kleinen Dorf Hochburg als fünftes von sechs Kindern in eine bäuerliche Weberfamilie geboren. In Hochburg, nur wenige Kilometer von der Salzach und dem bayerischen Burghausen entfernt, verbrachte er seine Kindheit und Schulzeit, in der bereits sein großes musikalisches Talent von seinem Lehrer Andreas Peterlechner und dem Pfarrer Simon Dobler erkannt wurde. In der Pfarrkirche hatte der erst 11-jährige Franz Xaver Gruber im Jahr 1798 auch die Möglichkeit, sein außerordentliches Talent – das vom Vater bis zu diesem Zeitpunkt angezweifelt wurde – unter Beweis zu stellen: Der Lehrer war erkrankt, das Hochamt schien in Frage gestellt. Es wurde angefragt, ob der junge Franz Xaver Gruber einspringen könne, der Vater glaubte das allerdings nicht. Nach anfänglichem Zögern erteilte er dennoch die Erlaubnis und begleitete den Sohn zur Messe. Dieser spielte dann die Orgel so gut und gewandt wie sein eigener Lehrer. Jetzt war auch der Vater vom Können überzeugt und gab seine ablehnende Haltung gegenüber der Musik auf. Eine Schlüsselszene im Leben des Buben! Es wurde ein Spinett angeschafft, das der Vater selbst von Burghausen nach Hochburg transportierte. Und fortan durfte der junge Franzl am Abend und in seiner Freizeit musizieren. Sein Geburtshaus, die Steinpointsölde, ist nicht mehr erhalten. Das an dessen Stelle errichtete Haus trägt eine Gedenktafel. Gruber erlernte auf Drängen des Vaters das Weberhandwerk, konnte aber mit seinem 18. Lebensjahr die Lehrer-Ausbildung in Ried beginnen. Zur Erlangung der nötigen Praxis kehrte Gruber für ein Jahr nach Hochburg zurück und arbeitete als Schulgehilfe bei seinem ehemaligen Lehrer.

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ heute hier erleben:

–        Das im Franz-Xaver-Gruber-Gedächtnishaus („Grubahäusl“) untergebrachte Museum vermittelt die bäuerliche Wohn- und Arbeitswelt um 1800. Das mehr als 200 Jahre alte Holzhaus ist in Stil, Form und Gestaltung mit Grubers Geburtshaus identisch. Im Haus erinnern Gegenstände an die Familie: Das wertvollste Stück ist der Webstuhl, auf dem Franz Xaver Gruber das Weberhandwerk erlernt hat. Kustos Hans Schwarzmayr und sein Team bieten gegen Voranmeldung Führungen an.

–        Der Franz-Xaver-Gruber-Friedensweg ist ein wunderschön gelegener Rundweg, der auf einem rund einstündigen Spaziergang erwandert werden kann. Gesäumt ist der Weg mit Skulpturen des Tiroler Bildhauers Hubert J. Flörl: Sie stellen Engelsflügel dar, auf denen die Friedens­botschaft des Liedes symbolhaft zu allen Kontinenten getragen wird. Der Weg spiegelt die friedliche Verbundenheit der Welt wider und lädt zum Innehalten ein.

–        Jeweils am dritten Adventwochenende kommt in Hochburg das Historienspiel „Auf der Suche nach der Stillen Nacht“ mit Laienschauspielern aus dem Ort zur Aufführung: Die Besucher werden in stimmungsvollem Ambiente auf die wechselvolle und weltumspannende Reise des Liedes mitgenommen.

 

Ried im Innkreis: Franz Xaver Grubers Ausbildung zum Lehrer

In Ried im Innkreis legte Franz Xaver Gruber 1806 seine Lehramtsprüfung ab. Bis 1779 war Ried sowie das gesamte Innviertel bayrisch und fiel erst in Folge des Bayerischen Erbfolgekrieges an Österreich. In napoleonischer Zeit wechselte es mehrmals zwischen Bayern und Österreich.

Schicksalhaft ist auch der Weg der Oberndorfer Weihnachtskrippe, vor der Gruber und Mohr das Lied erstmals gesungen haben. Die Krippe kam über Umwege ins Museum Innviertler Volkskundehaus in Ried und zählt heute zu den Höhepunkten der Sammlung.

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ heute hier erleben:

–        Das Museum Innviertler Volkskundehaus beherbergt die original „Stille Nacht Krippe“ aus der St. Nikola Kirche von Oberndorf. Nachdem diese durch ständige Hochwasserbedrohungen abgebrochen werden musste, wurde die alte Pfarrkrippe verschenkt. 1933 kam sie über eine Schenkung des Pfarrers Johann Veichtlbauer nach Ried. Bei der Stille Nacht Krippe handelt es sich um eine nach venezianischen Vorbildern gefertigte Kirchenkrippe aus der Zeit um 1800 mit den für das Inn-Salzach-Gebiet typischen Figuren: Hände und Füße sind aus Holz geschnitzt, der Kopf ist aus Wachs. Die Hirten sind in der damaligen Bauern- und Schiffertracht gekleidet.

 

Steyr: Hier wurde das Lied erstmals gedruckt, vervielfältigt und verkauft

Joseph Greis, Buchdrucker und Buchhändler in Steyr, gab im Zeitraum von 1827 bis 1832 (genaues Datum nicht bekannt) eine Flugschrift mit dem Titel „Vier schöne neue Weihnachtslieder“ heraus: Auf deren Titelbild ist auch „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ angekündigt. Damit ist bewiesen, dass die erste schriftliche Verbreitung des Liedes in Steyr gedruckt wurde. Da Greis Buchhändler war, konnte der Druck auch bei ihm gekauft werden. Der gedruckte Liedtext umfasst alle sechs Strophen, wenn auch mit einigen Textungereimtheiten: Wahrscheinlich hatte Joseph Greis eine schlecht lesbare Fassung vorliegen oder es passierten Lesefehler beim Setzen. Wie er zu dem Lied kam, ist nicht bekannt.

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ heute hier erleben:

–        Im 1. Österreichischen Weihnachtsmuseum in Steyr ist ab November 2018 eine Replik des ersten Textdruckes zu sehen. Führungen im Weihnachtsmuseum sind ganzjährig gegen Voranmeldung im Tourismusverband Steyr möglich.

 

Besonderer Tipp zum Stille-Nacht-Jubiläum 2018:

Von 1. Dezember 2018 bis 2. Februar 2019 widmet sich die Sonderausstellung „Weihnachtliches Singen“ im Schlossmuseum Linz den Jubiläen 200 Jahre „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ und 135 Jahre „Es wird scho glei dumper“. Neben der Geschichte der weihnachtlichen Liedkultur in Oberösterreich werden in der Sonderausstellung die Oberösterreich-Bezüge dieser beiden international beliebten Lieder aufgezeigt. Daneben wird auf bekannte und weniger bekannte Hirten- und Krippenlieder Oberösterreichs hingewiesen. Neu eingespielte Musikbeispiele ergänzen die vorwiegend archivalischen Objekte und bringen die oberösterreichische Liedkultur zum Klingen. In Kooperation mit dem OÖ. Volksliedwerk, kuratiert von Dr. Klaus Petermayr.