Peter Volgger

Kostbare Krippenfiguren aus heimischer Zirbe

Werkstattbesuch bei Peter Volgger in Uttendorf/Weißsee

In der Nationalparkgemeinde Uttendorf/Weißsee lebt und arbeitet einer der besten und bekanntesten Krippenfigurenschnitzer Österreichs: Peter Volgger. Seine Schnitztechnik ist so einzigartig und seine Figuren verfügen über einen so hohen Wiedererkennungswert, dass er eine eigene Ära begründet und geprägt hat. Die Krippenfiguren von Peter Volgger wird man auch noch viele Generationen nach ihm als solche identifizieren können. Der Uttendorfer arbeitet ausschließlich mit heimischem Holz aus dem Nationalpark Hohe Tauern: Mit der Zirbe, die für ihre ausgleichende Wirkung auf den Herzschlag und ihren unverwechselbaren Duft bekannt ist.

Advent & BrauchtumPresse

Schon an der Türschwelle zu Peter Volggers Werkstatt in der kleinen Gemeinde Uttendorf/Weißsee steigt Besuchern der harzig-holzige Duft der Zirbe in die Nase. Der widerstandsfähige Baum wird auch „Königin der Alpen“ genannt, sie wächst an der oberen Baumgrenze und ist bis auf 2.500 Meter Seehöhe zu finden. Die Bäume, die bis zu tausend Jahre und älter werden können, sind härtesten klimatischen Bedingungen, hohen Schneemassen und enormen Temperatur­schwankungen ausgesetzt. Das alles macht die Zirbe aus den hoch gelegenen Wäldern des Nationalparks Hohe Tauern zu Peter Volggers bevorzugtem Werkstoff. Aus ihm schnitzt er detailgetreue, anatomisch perfekte Krippenfiguren: Mit ihren ausdrucksstarken Gesichtern, authentischen Körperhaltungen und eleganten Faltenwürfen sind sie so begehrt und kostbar, dass sie mittlerweile als Wertanlage gelten. Gut ein Jahr warten Stammkunden auf eine neue, handgeschnitzte Figur, Neukunden weit länger.

Treue Stammkunden seit über 20 Jahren
Wer zum ersten Mal in der Werkstatt des Uttendorfers steht, staunt wie ein Kind: Die Krippenfiguren aus duftendem Zirbenholz haben sanfte Gesichtszüge, treuherzige Blicke, weiche Konturen, eine unvergleichliche Mimik, einen starken Ausdruck und eine authentische Körpersprache. So, als handle es sich um echte Menschen, nicht um aus Holz geschnitzte Kunstwerke in Miniaturformat. „Ich habe Stammkunden, die seit über zwanzig Jahren immer wieder neue Krippenfiguren bei mir bestellen. Große Krippen können bis zu 200 Personen und Tiere umfassen“, schmunzelt Peter Volgger. „Da ist allerhand zu tun.“
Warten müssen aber auch Stammkunden: Maximal drei bis vier Figuren dürfen sie pro Jahr ordern – das Auftragsbuch von Peter Volgger platzt so schon aus allen Nähten. Rund drei Stunden benötigt der Schnitzer für ein Lamm, für eine 14 Zentimeter-Figur rund 20 Stunden. Nach dem Schnitzen werden die Figuren stilecht bemalt: Das Auftragen der Ölfarbe und das Vergolden erfolgen nach Gefühl oder alten Vorlagen. Dabei erhält Peter Volgger Unterstützung von seiner Frau. Bevor die Figuren die Werk­statt verlassen, werden sie allesamt fotografiert, archiviert und den Auftraggebern zugeordnet: Nur so kann der Holzschnitzer auch noch nach Jahren neue Figuren schnitzen, die sich farblich und stilistisch in eine bestehende Krippe integrieren.

Volle Auftragsbücher und ein ruhiges Herz
Peter Volgger war erst zwölf Jahre alt, als er seine ersten Krippenfiguren schnitzte: Ein Onkel von ihm, der selbst Schnitzer war, inspirierte und unterstützte ihn. Dieser erkannte das Talent und das räumliche Vorstellungsvermögen seines Neffens. Worauf dieser sein Berufsziel konsequent verfolgte: Nach dem Besuch der vierjährigen Schnitzschule, einer ersten Anstellung in Osttirol und der Meisterprüfung als Holz- und Steinbildhauer hat sich Peter Volgger 1986 selbstständig gemacht.
Heute weiß Peter Volgger auf ein Jahr im Voraus für jeden einzelnen Tag, was er schnitzen wird. „Das ist ein gewisser Druck, aber auch beruhigend“, gibt er zu. Er erzählt, dass er einen Ruhepuls von nur 37 Schlägen pro Minute hat – das ist ein niedrigerer Puls als von so manchem Hochleistungssportler. Entweder scheint Peter Volgger von Haus aus ein sehr ausgeglichener Mann zu sein oder er ist der beste Beweis für die Wirkung, die der Zirbe nachgesagt wird: Dass sie die Herzfrequenz signifikant senkt und das Herz beruhigt.

Kuriose Aufträge und eine ansteckende Leidenschaft
Manchmal sind es auch kuriose Anfragen, die Peter Volggers Schnitzalltag so abwechslungsreich machen. „So habe ich einen Kunden, bei dem alle Figuren die Gesichtszüge von Familienmitgliedern tragen“, schmunzelt er. Für den Uttendorfer stellt das kein Problem dar. Er hat auch schon den bekannten und beliebten Salzburger Moderator Sepp Forcher als Krippenfigur geschnitzt: Dieser zieht in der Dorfkrippe von Uttendorf/Weißsee den Hut vor dem neugeborenen Christuskind. Überhaupt hat Peter Volgger die Uttendorfer mit seiner Leidenschaft für Krippen angesteckt: 1992 gründete er den örtlichen Krippenverein. Jedes Jahr im Herbst werden Krippenbaukurse für Kinder und Erwachsene angeboten, die immer bis auf den letzten Platz ausverkauft sind.

Die Tradition der Krippe im SalzburgerLand

Beinahe in jeder Kirche im SalzburgerLand befindet sich vor, während und nach der Weihnachtszeit eine Krippe. Das „Kripperl schauen“ ist ein beliebter Brauch – vor allem bei Familien. Die Szenerie und die Darstellungen in der Krippe wechseln von Woche zu Woche und regen die Fantasie der Kinder an. Zudem spannen sie den Bogen zwischen dem christlichen Glauben an die Menschwerdung Gottes und dem Christkind, das dafür sorgt, dass an Weihnachten die Geschenke unter dem Baum liegen. Der 2. Februar markiert das endgültige Ende des Krippenkalenders sowohl in den Kirchen als auch in den Privathaushalten. Seit dem 18. Jahrhundert ist es Brauch, kleine Krippen auch in der eigenen Wohnung aufzustellen.

  • Eine „Kripperlroas“ durchs SalzburgerLand führt unter anderem in die Krippenausstellungen ins Großarltal, ins Salzburger Heimatwerk, ins Heimatmuseum Saalfelden oder in den Stille-Nacht-Ort Mariapfarr: Die Weihnachtskrippe mit rund 100 restaurierten Figuren aus der Zeit, in der Hilfspfarrer Joseph Mohr den Liedtext verfasst hat, ist eine echte Attraktion. In dem Stille-Nacht-Ort Arnsdorf tragen die Krippenfiguren die traditionelle Tracht der ehemaligen Salzachschiffer.
  • Der Landeskrippenverband Salzburg und seine Ortsgruppen bieten Krippenbau-Workshops für Erwachsene an. Auch in Saalfelden – der Heimatstadt des weltberühmten Salzburger Krippenbauers Xandi Schläffer – wird die legendäre „Saalfeldner Krippe“ alljährlich von Schülern nachgebaut. Jede Krippe ist ein kleines Kunstwerk für sich: So muten sie Heimatkrippen wie rustikale Salzburger Almhütten oder kleine Bauernhöfe an.
  • Bunte Krippen aus Papier: Ursprünglich als günstige Alternative zu geschnitzten Krippen erfunden und vom Papiertheater inspiriert, bastelten Halleiner Familien ab dem 17. Jahr­hundert kleinformatige Krippen aus Papier, die heute kaum mehr erhalten sind. Auch der Komponist von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“, Franz Xaver Gruber, gestaltete mit seinen Kindern die „Gruberkrippe“, eine Weihnachtskrippe, von der noch ein Foto erhalten ist. Die Ausstellung im Keltenmuseum Hallein (noch bis 31. Januar 2021) zeigt weihnachtliche und historische Karten-, Kulissen-, Steck-, und viele andere Papierkrippen genauso wie neu gestaltete, moderne Pop-up-Krippen. www.keltenmuseum.at

Den Zirbenwald im Winter erleben

Ein besonderes Erlebnis ist eine Schneeschuhwanderung in den „Wiegenwald der Zirben“ in Uttendorf/Weißsee. Gemeinsam mit einem Nationalpark-Ranger geht es an ausgewählten Terminen in den abgelegenen und mystischen Gebirgswald. www.nationalpark.at

 


10. November 2020
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