Lieber Winter,

weißt du eigentlich, wie sehnsüchtig du heuer wieder erwartest wirst? Mit deinen betörenden Düften nach Zimtsternen und Vanillekipferln, nach Tannengrün und Weihrauch, nach Skiwachs und Apfelpunsch.

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Mein lieber Winter, du bist untrennbar mit einer der schönsten Zeit des Jahres verbunden: Mit Weihnachten, den Raunächten und dem Jahreswechsel. Du bist es, der Nikolaus und Krampus zu seinen Begleitern zählt und du bist es auch, der dafür sorgt, dass wir die Spuren des Christkinds im Schnee erahnen können.

Du bist ein Künstler, ein Romantiker und dennoch ab und zu ein rauer Geselle. Einer, der über Nacht hereingeschneit kommt und uns mit seinen unbändigen Kräften zu überraschen vermag: Mit Schneestürmen, deren Winde an den Fensterläden rütteln, mit Eiszapfen, die an Dachrinnen hängen und mit leuchtenden Wintertagen in den Bergen, die uns auf einen Schlag alle unsere Sorgen und Ängste vergessen lassen. Äußerlich wirkst du kühl und frostig: Einer, der Kristalle durch die kalte Luft wirbelt und Bäumen und Zaunpfählen mächtige Mützen aus Schnee aufsetzt. Im Herzen aber bist du einer, der es gemütlich mag: Mit dicken Wollsocken am warmen Kachelofen, mit Kerzenschein und Dämmerstunden, in denen die Wintersonne ihre orangeroten Strahlen über die Gipfel schickt.

Winter, wie viele Gesichter du hast! Und eines gefällt mir besser als das andere. Ich liebe deine ungestümen Seiten, die den Schnee über die Alpen wirbeln lassen und über die Berge, die Pisten und Almen eine weiße Decke breiten: Kein Weg zieht sich mehr durchs Gelände, alle Geräusche sind verstummt. Nur noch einzelne Spuren führen ins Nirgendwo und geben Rätsel auf, welches Tierchen da wohl unterwegs gewesen sein mag. Nie gelingen Schneeballschlachten und Schnee-Engel besser als zu dieser Zeit. Doch ich schätze auch deine verführerische Seite, mit der du mich in Wärme und Geborgenheit hüllst: Mich hinaus in die verschneiten Wälder schickst, um mich dann langsam wieder aufzutauen. Und ich mag deine Ausgelassenheit, die du uns während der Faschingszeit, aber auch zum Frühlingsskifahren spüren lässt. Lang werden dann schon wieder deine Tage und mit den kräftigen Strahlen der Frühjahrssonne zauberst du mir die ersten Sommersprossen ins Gesicht.

Doch längst ist es nicht so weit: Nun musst du erst einmal Einzug halten. Wenn du dich ankündigst, meine ich, deine Ankunft schon Tage zuvor spüren zu können: Meine kleine Narbe am Zeigefinger ziept verdächtig und wenn ich morgens vor die Tür trete, ertappe ich mich dabei, wie meine eigene Großmutter zu klingen, die immer mit einem wissenden Blick in den Himmel zu sagen pflegte: „Merkst du es auch? Es riecht nach Schnee.“ Dann recke auch ich die Nase in die Luft und sage zu mir selbst: „Ja, es riecht nach Schnee. Morgen ist er da.“

Auch wenn alle Meteorologen dieser Welt behaupten, man könne dich nicht riechen: Ich kann das! Es liegt dann eine Erwartung in der Luft, die du jedes Jahr aufs Neue erfüllst. Die Vorfreude auf dich nimmt mich ganz und gar ein: Ich gehe raus und auf den nächsten Berg, um Ausschau nach dir zu halten. Und siehe da! Die ersten Gipfel sind schon weiß. Du hast deine Boten längst ausgesandt, ich hab’s gespürt!

Die erste Zeit mit dir ist die allerschönste überhaupt: Nun habe ich die Pisten fast für mich alleine und niemals ist die blaue Stunde intensiver als in der Vorweihnachtszeit. Die ersten Flockenwirbel schüren die Vorfreude auf das Fest und die Ferien. Deine Anwesenheit ist mir wichtig, denn sie bildet die zauberhafte Kulisse für diese magische Zeit vor dem großen Fest und zwischen den Jahren. Dein Schnee reflektiert das Licht, das sich so rar macht und nach dem ich mich doch so sehne. Lang sind die ersten Nächte mit dir, kurz die Tage. Doch wir verstehen uns darauf, beides zu nutzen und zu genießen: Wir wissen ja, die Zeit ist nicht aufzuhalten und schon nach der Wintersonnenwende am 21. Dezember kehren sich die Verhältnisse wieder um.

Nach dem Jahreswechsel dann scheint es gerade so, als würdest du alle Lichter anknipsen, die dir zur Verfügung stehen: Es sind diese hell scheinenden Tage des jungen Jahres, die so viel Klarheit schenken. Die mich aufwecken und wachrütteln und mir zuzurufen scheinen: Mach das Beste aus diesem Winter! Und es klingt fast wie eine Metapher aufs Leben. Ja, du lehrst mich, das Beste herauszuholen: Aus den Tagen, die schön und verführerisch sind, aber auch aus den dunklen und düsteren, die die Sonnentage umso heller erscheinen lassen. Winter, was bist du für ein kluger Freund!

Wenn dann die Perchten und andere schaurige Wesen den Auftrag erhalten, dich auszutreiben, kannst du noch darüber lächeln. Doch wir wissen beide: Unsere gemeinsame Zeit neigt sich langsam ihrem Ende zu. Die Tage werden merkbar länger – ab Lichtmess am 2. Februar ist es schon eine ganze Stunde – und die Sonnenstrahlen intensiver. Jede freie Minute gilt es nun gemeinsam zu nutzen: Auf den Pisten, auf den Sonnenterrassen, beim Langlaufen, Schlittenfahren oder Skitourengehen.

Wenn deine Kräfte immer mehr schwinden, nimmst du das mit erstaunlicher Gelassenheit hin: Du machst Platz für die ersten Frühlingsboten, die zwischen deinen letzten Schneefleckchen sprießen. Du verabschiedest dich meist leise und gönnst mir zum Abschied noch ein paar herrliche Abfahrten auf verführerischem Firnschnee. Manchmal überraschst du sogar noch den Osterhasen mit einem letzten Schneesturm. Doch dann bist du meist scheinbar über Nacht fast vollständig verschwunden. Ich erkenne dich noch im Schmelzwasser, das von den Dächern tropft und in den Steinchen auf dem Gehweg. In der Brotdose liegt noch eine letzte Scheibe Kletzenbrot und wenn ich die dicke Daunenjacke wegräume, kommen noch ein paar Souvenirs unserer gemeinsamen Zeit zum Vorschein: Eine Liftkarte, ein rosa Konfetti vom Faschingsumzug und eine klebrige Mandel vom Christkindlmarkt. Ich betrachte sie liebevoll und werfe sie dennoch weg: Loslassen! Das ist es, was ich von dir lerne. Und ich weiß ja, unsere Liebesgeschichte ist längst noch nicht zu Ende.

Nächstes Jahr lade ich dich wieder ein, ein paar Monate mit mir zu verbringen. Und ich weiß, du wirst verlässlich kommen. Meine kleine Narbe wird pochen und ich werde wieder erwartungsvoll auf einen Berg steigen, um nach dir Ausschau zu halten.

Lieber Winter, ich freu mich auf die Fortsetzung unserer Liebesgeschichte – jedes Jahr aufs Neue.

Winter im SalzburgerLand

Gäste aus der ganzen Welt lieben und schätzen das SalzburgerLand als eine der traditionsreichsten Wintersportregionen der Alpen. Es ist Heimat einiger der erfolgreichsten Alpinskifahrer aller Zeiten wie Annemarie Moser-Pröll, Hermann Maier oder Marcel Hirscher und gilt dank seiner vielen technischen Pionierleistungen als „Silicon Valley des Skisports“. Doch auch abseits der Pisten sorgt der Winter im SalzburgerLand für unvergessliche Urlaubstage: Salzburg ist dank seiner geografischen Lage das schneereichste Bundesland Österreichs und ein echter Sehnsuchtsort für alle Winter- und Schneeliebhaber. Die Natur verwandelt sich ab Dezember in ein Winterwunderland, das zu genussvollen Outdoor-Aktivitäten einlädt. Besonders lebendig geblieben sind im SalzburgerLand die vielen Bräuche, die sich rund um das Weihnachtsfest, die Raunächte und den Winter ranken: Nicht selten jagen sie Gästen, aber auch Einheimischen einen wohlig-gruseligen Schauer über den Rücken. Sie sind wichtiges identitätsstiftendes Merkmal in vielen Tälern und Regionen, ebenso wie die altüberlieferten Rezepte für himmlische Wintergerichte im Stil der traditionellen als auch der modernen Alpinen Küche.

Zur Autorin

Franziska Lipp ist eine Salzburger Texterin, Autorin und Tourismussoziologin, die die SalzburgerLand Tourismus GmbH seit mehr als zehn Jahren bei zahlreichen Projekten – etwas im Rahmen des 200-Jahr-Jubiläums von „Stille Nacht! Heilige Nacht“, „Meisis Reise mit Alexandra Meissnitzer“ sowie als Chefredakteurin des halbjährlich erscheinenden Sommer- bzw. Wintermagazins – begleitet. In ihrem „Liebesbrief an den Winter“ hat sie ein Detail verschwiegen: Dass sie den Winter so sehr liebt, dass sie vor 15 Jahren sogar in einer Vollmondnacht im Jänner geheiratet hat. Gefeiert wurde auf einer urigen Alm, wo der Schnee bis zur Dachrinne reichte. Am Ende des Abends rodelten alle Hochzeitsgäste durch den magisch schönen Winterwald auf Schlitten ins Tal. Der Pfarrer – ein gebürtiger Pinzgauer – kam als erstes unten an. www.franziskalipp.com


19. Oktober 2021
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