Friedensbotschaft Stille Nacht! Heilige Nacht!

Das Lied bestärkt Menschen seit jeher in ihrer Hoffnung auf Frieden in der Welt

In der eigenen Heimat Salzburg hat sich „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ erst nach 1866 durch die Aufnahme in ein „offizielles“ Kirchenliederbuch verbreitet. Doch in Europa und den USA war es dank der reisenden Zillertaler Sängerfamilien Rainer und Strasser bereits bekannt und beliebt. Das Lied wirkt seit seinem ersten Erklingen als hoffnungsvolle Botschaft von der Menschwerdung: Seine Anerkennung als Welt-Friedenslied wurde durch die Aufnahme in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes durch die UNESCO im Jahr 2011 bestätigt. Während der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert wurde die verbindende Kraft des Liedes besonders deutlich.

Advent / Stille NachtPresse

In der eigenen Heimat Salzburg hat sich „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ erst nach 1866 durch die Aufnahme in ein „offizielles“ Kirchenliederbuch verbreitet. Doch in Europa und den USA war es dank der reisenden Zillertaler Sängerfamilien Rainer und Strasser bereits bekannt und beliebt. Das Lied wirkt seit seinem ersten Erklingen als hoffnungsvolle Botschaft von der Menschwerdung: Seine Anerkennung als Welt-Friedenslied wurde durch die Aufnahme in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes durch die UNESCO im Jahr 2011 bestätigt. Während der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert wurde die verbindende Kraft des Liedes besonders deutlich.

Das Welt-Friedenslied: Verse voll Hoffnung und Trost
„Holder Knabe im lockigen Haar, schlaf in himmlischer Ruh“: Das Weihnachtsgedicht von Joseph Mohr beginnt als Wiegenlied für das neu geborene Christkind. Dem jungen Pfarrer, dem große Volksnähe nachgesagt wird, wusste um die Not der Menschen und ihre Sorgen. Er schrieb daher einen leicht verständlichen Text in deutscher Sprache, der die Menschen ergriff. Der tröstliche Gedanke von Rettung aus der Not durch die Geburt von Jesus und durch die Liebe Gottes zu den Völkern der Welt zieht sich bis zur sechsten Strophe. Und weckt auch dank seiner eindringlichen Melodie von Franz Xaver Gruber Hoffnung auf und Glauben an ein besseres Leben auf Erden.

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ im Schützengraben
Weihnachten 1914: Rund fünf Monate nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ereignet sich an der Westfront, an der schon mehr als eine Million Soldaten gefallen oder verwundet worden waren, ein einmaliges pazifistisches Wunder der Verbrüderung unter tausenden Soldaten verschiedener Nationen. Am 24. Dezember, dem Heiligen Abend vor dem eigentlichen Christfest, kehrt Ruhe ein in den Schützengräben. Einige Soldaten stellen kleine beleuchtete Weihnachtsbäumchen auf den oberen Rand des Schützengrabens – wie ein Zeichen des Friedens. Auf beiden Seiten der rund 50 Kilometer langen Front in Flandern legen die Kämpfer ihre Waffen und Helme ab und singen heimatliche Weihnachtslieder. Auch „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ erklingt – in verschiedenen Muttersprachen. Die friedliche, solidarische Kriegsweihnacht war mit einem Ausnahmezustand zu vergleichen: In der Folge wurde die Verbrüderung bei Todesstrafe verboten.

Leopold Kohr und das Weihnachtslied als politische Botschaft
Friedensgefühle und politische Statements gegen den Krieg bündelte während des Zweiten Weltkriegs und noch bis Mitte der 1950er Jahre der aus Oberndorf stammende Emigrant Leopold Kohr (1909 – 1994). In den USA publizierte der Salzburger Nationalökonom und Philosoph mit Hilfe von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ höchst erfolgreich Sympathiekampagnen für seine Heimat Österreich. Alljährlich zur Weihnachtszeit veröffentlichte er Dutzende von Zeitungsartikeln, in denen er „Silent Night“ als politisches Lied gegen Nazideutschland und für die Befreiung Österreichs verwendete.  Mit sentimentalen Beschreibungen seiner Salzburger Heimat und der österreichischen Alpen schürte er die Emotionen der Leser: „Oberndorf is only a small village in Austria. But it is my village, and this is why I often like to think of it. In the distance rise the mighty chains of the Alps to their majestic height. And the melody will float out again from the village which created it to the world to which it belongs.“

“Silent Night” erklingt 1941 im Garten des “Weißen Hauses”
Die Brücke zur Politik schlug Leopold Kohr mit einem Erlebnis von Weihnachten 1941, als er im Garten des Weißen Hauses erlebte, wie Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill gemeinsam mit der versammelten Menschenmenge „Silent Night“ sangen: “Maybe it was only I who had tears in my eyes. But I thought, sometime, when freedom and peace reign over the world again, and Austria is independent anew, I will tell them at home about the President and the Prime Minister singing Silent Night.“  Nach Kriegsende rückte Kohr seine politische Strategie in den Hintergrund und siedelte seine Weihnachtsbotschaften mehr und mehr auf der reinen Gefühlsebene an. Er schwärmte vom Leuchten der Kinderaugen und von der Wiederkehr der heilen österreichischen Alpenwelt nach dem Krieg.

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ und „The Sound of Music“
In eine ähnliche Kerbe schlug Österreichs wohl berühmteste Sängergruppe, die Salzburger Familie Trapp, die noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ebenfalls in die USA emigriert war. Im Januar 1947 wandte sich Generalmajor Harry J. Collins in den USA an die Trapp-Familie. Der USOffizier war mit der berühmten 42. Rainbow-Division nach Salzburg gekommen und schilderte das Leid der Österreicher nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Familie Trapp reagierte spontan und gründete die Trapp Family Austrian Relief Inc. als eingetragene Vereinigung der Österreich-Hilfe mit Sitz in Stowe, Vermont. Als Begründer und 1. Präsident wurde Georg von Trapp eingetragen, Präsidentin war Maria von Trapp, Schatzmeister Franz Wasner. 150 Tonnen Hilfsgüter kamen zusammen, als die Trapp-Familie von da an ihre Konzerte mit dem Aufruf einleiteten: „Das Land, das der Welt einen Haydn, Mozart, Schubert und die Stille Nacht geschenkt hat, wird zugrunde gehen, wenn wir nicht alle miteinander helfen.“

Franz-Xaver-Gruber-Friedensweg in seinem Geburtsort Hochburg-Ach (OÖ)
Noch heute hat „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ nichts von seiner Aussage verloren. Auf dem 2012 eröffneten Franz-Xaver-Gruber-Friedensweg kann man diese Botschaft „erwandern“. Kraft schöpfen, seinem Leben eine neue Richtung geben und die Verbundenheit mit den Menschen und über alle Kontinente spüren – das ist die Idee des Friedensweges. Der Rundweg kann in rund sechzig Minuten erwandert werden und führt durch die wunderschöne Naturlandschaft des Innviertels. Er verbindet auf einmalige Weise Natur und Kunst. Er ist gesäumt von sieben, rund drei Meter großen Skulpturen des Tiroler Bildhauers Hubert J. Flörl: Die Stationen, die den fünf Kontinenten gewidmet sind, tragen allesamt Engelsflügel und eine Liedstrophe von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“. Sie laden zum Blick über den Tellerrand, in dem sie Besuchern etwa vor Augen führen, was sich zu Lebzeiten Franz Xaver Grubers in anderen Weltteilen ereignet hat. Mit Zitaten, Gedichten und Friedensimpulsen lädt der Weg dazu ein, sich mit den essentiellen Fragen des Lebens zu beschäftigen. Endpunkt des Weges ist die Skulptur „Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber vor der Muttergottes mit dem Kind“ vor dem Franz-Xaver-Gruber-Gedächtnishaus. Diese Szenerie an der Krippe erinnert an die Liedschöpfer und an das Wunder der Weihnacht.


9. August 2018

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