Der „Wiegenwald der Zirben“ im SalzburgerLand

Ein geheimnisvoller Urwald mit uralten Zirben

In der Gemeinde Uttendorf/Weißsee liegt gut versteckt der „Wiegenwald der Zirben“. Auf einer Seehöhe von 1.400 bis 1.800 Metern wachsen bis zu tausend Jahre alte Zirben, die damit zu den ältesten im gesamten Alpenraum zählen. Zudem gilt der Wiegenwald als größter Zirbenbestand im Nationalpark Hohe Tauern, dem wiederum größten Naturschutzraum Zentraleuropas. Eine weitere Besonderheit des Waldes ist, dass die Wege darin nicht markiert sind: Es herrscht zwar Wegefreiheit, doch um den empfindlichen Naturraum nicht zu stören, sollte man sich nur in Begleitung eines Nationalpark-Rangers zu einer Wanderung dorthin aufmachen.

Natur- und Lebensraum Wald

Es sind beeindruckende Baumriesen, an denen Wanderer im „Wiegenwald der Zirben“ vorbeikommen: Rau und von grober Struktur sind ihre Rinden, viele von ihnen sind von den harten Wintern, dem rauen Klima und Blitzeinschlägen gekennzeichnet. Es sind nur wenige Menschen im Jahr, die in dieses kleine Naturidyll im hinteren Stubachtal in der Gemeinde Uttendorf/Weißsee vordringen: Ein paar ortskundige Einheimische und Besucher, die sich gemeinsam mit einem Nationalpark-Ranger auf den Weg machen. Die Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern bietet während der Sommermonate wöchentlich geführte Wanderungen an, im Winter gibt es an einigen Terminen Schneeschuhwanderungen in den Wiegenwald. Startpunkt ist jeweils der Enzingerboden im Talschluss des Stubachtals. Seinen Namen verdankt der Wiegenwald einer mächtigen eiszeitlichen Moräne samt muldenartiger Hochfläche: Wie eine große Wiege schmiegt sich der Hochmoorkomplex an die Flanken der Hohen Fürleg (2.943 m).

„Königin der Alpen“: Überlebenskünstlerin Zirbe
Auf einer sommerlichen Wanderung durch den Zirbenwald werden zuallererst Höhenmeter gemacht, bevor sich eine romantische Moorlandschaft mit tiefschwarzen „Lacken“ und Tümpeln auftut. Unter die Fichten mischen sich nach und nach die ersten Lärchen und Zirben. Ab nun wird der Wald deutlich dichter, mystischer und geheimnisvoller und es darf tatsächlich von einem urwaldartigen Baumbestand gesprochen werden. Es ist das Reich der „Königin der Alpen“, wie die Zirbe auch genannt wird. Sie gilt als absolute Überlebenskünstlerin, die Extremtemperaturen von bis zu minus vierzig Grad standhält und vier Jahrzehnte alt werden muss, um überhaupt die ersten Früchte zu tragen. Fliegenpilze sprießen hier aus dem sattgrünen Moos, dichte Baumbärte wallen im feuchten Nebel und zeugen von der hervorragenden Luftqualität im Nationalpark Hohe Tauern. Dass der Wiegenwald über die Jahrhunderte unangetastet geblieben ist, obwohl Holz eine wichtige Wirtschaftsressource für die Salzgewinnung im Fürsterzbistum Salzburg war, ist den mächtigen Landesfürsten selbst zu verdanken: Sie erkannten die Schönheit des Waldes und bestanden schon vor hunderten von Jahren auf dessen Schutz.

Sensibles Ökosystem: Alpensalamander, Tannenhäher und Wolfsflechten
Heute ist der „Wiegenwald der Zirben“ ein sensibles Ökosystem, dessen Schutz weiterhin höchste Priorität eingeräumt wird. Neben den Zirben findet sich hier eine höchst seltene Fauna und Flora: Bei Führungen verweisen die Nationalpark-Ranger auf den streng geschützten Alpensalamander und die selten gewordenen, giftigen Wolfsflechten – in ihrer fast neongelben Farbgebung leuchten sie von den grauen Rinden der Zirben: Zu früheren Zeiten wurden Fuchs- und Wolfsköder damit präpariert. Daher stammt auch der Name.
Auch der Tannenhäher mit seinem lauten, heiseren Krächzen ist im Wiegenwald beheimatet. Er lebt in einer engen Symbiose mit der Zirbe und ist für deren Vermehrung und damit auch für die Verjüngung des Wiegenwaldes zuständig. Jahr für Jahr legt sich der Vogel einen Vorrat an Zirbennüssen an, um gut über den Winter zu kommen. Vergisst er das ein oder andere Versteck, geht an dieser Stelle eine neue, junge Zirbe auf. Bis zu 70 Zirbennüssen kann der schwarze Krähenvogel in seiner Kehltasche transportieren.
Die Wanderung durch den „Wiegenwald der Zirben“ führt weiter durch das Reich der Latschenkiefer, vorbei an der Stierbichlhütte und endet am Grünsee an der Mittelstation der Weißsee Gletscherbahn. Weiter oben in der Weißsee Gletscherwelt befindet sich die Rudolfshütte, das einzige 3-Sterne-Hotel der Alpen, das ausschließlich zu Fuß oder per Bergbahn erreichbar ist. Im Winter wird hier oben Skigefahren, im Sommer wird gewandert.

Ferienregion Nationalpark HoheTauern
Der Nationalpark Hohe Tauern ist das größte Naturschutzgebiet Zentraleuropas und erstreckt sich über die Bundesländer Salzburg, Tirol und Kärnten. Rund um den Großglockner und die höchsten Berge Österreichs findet sich hier eine einzigartig schöne Naturlandschaft mit über 300 Gletschern, seltenen Wildtierarten und botanischen Kostbarkeiten. In den 20 Nationalpark-Orten und den 13 Tälern in der Salzburger Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern kann man sich individuell und auf eigene Faust auf den Weg machen: Zahlreiche Themenwege, Ausstellungen und Bildungshäuser erklären anschaulich die ökologischen, soziokulturellen und wirtschaftlichen Zusammenhänge innerhalb des Nationalparks. Markierte Wanderwege sowie ortskundige und bestens ausgebildete Nationalpark-Ranger sorgen für Sicherheit und ein gutes Gefühl. www.nationalpark.at

„Nationalparkwelten“ in Mittersill und Sommerprogramm mit Nationalpark-Rangern
Die modernen Nationalparkwelten in Mittersill mit dem spektakulären 360° Panoramakino zählen zu den beliebtesten Besucher-Highlights in der Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern: Das „Museum zum Anfassen“ wurde mehrfach ausgezeichnet und feierte 2018 seinen zehnten Geburtstag. Die 1.800 m² große alpine Erlebniswelt erstreckt sich über drei Ebenen und bietet Kindern und Erwachsenen anhand von interaktiven Themenstationen einzigartige Einblicke in den Lebensraum Nationalpark Hohe Tauern. www.nationalparkzentrum.at
Die Nationalparkverwaltung bietet während der Sommermonate eine Reihe von hochspannenden Exkursionen für interessierte Besucher und Familien mit Kindern an, so auch eine geführte Wanderung in den „Wiegenwald der Zirben“ in Uttendorf/Weißsee. Die Teilnahme an den Exkursionen ist für Urlauber mit einer gültigen Gästekarte bzw. mit der „Nationalpark Sommercard Mobil“ kostenlos. Die Anmeldung ist erforderlich.

Informationen: www.salzburgerland.com


5. März 2019
Newsletter

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr lesen