Traditionelle Heilrezepte aus Salzburgs Wäldern

Pechsalbe, Räucherwerk & Co – altes Wissen, neu interpretiert

Die Pechsalbe gilt als eine der ältesten Wundheilsalben der Alpen. Hergestellt wird sie nach einem überlieferten Rezept: Hauptbestandteil ist das duftende Fichten- und Lärchenharz, das sich an den Rinden der Bäume bildet und in kleinen Mengen gesammelt werden darf. Der Verein Traditionelle Europäische Heilkunde (TEH) hat sich schon vor über zehn Jahren daran gemacht, das alte Heilwissen der Bäuerinnen im Salzburger Saalachtal zu sammeln und aufzuschreiben. Mittlerweile ist dieses wertvolle Gut zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden. Das wiederum bedeutet, dass der Verein den Auftrag erhielt, das alte Wissen lebbar zu gestalten und es in zeitgemäßer Form weiterzugeben. Das tut er mit großem Erfolg.

Natur- und Lebensraum Wald

Vereinsgründerin Dr. Karin Buchart und Geschäftsführerin des TEH-Vereins Alexandra Bruckmoser treffen sich regelmäßig in den TEH naturwerken am Fuße des Steinpasses: Hier in der Gemeinde Unken im Salzburger Saalachtal/Pinzgau ist die Wiege der Traditionellen Europäischen Heilkunde und hier wird noch heute altes Wissen ebenso emsig gesammelt wie an neuen Produkten getüftelt. Die TEH naturwerke sind ein kleiner Laden direkt am ehemaligen österreichisch-deutschen Grenzübergang: Durch die Produktionsräume im hinteren Teil des Gebäudes führte einst die Landesgrenze und eine kleine Arrestzelle erinnert noch heute an eine Zeit vor der Europäischen Gemeinschaft und dem Schengen- Abkommen. Heute durchweht ein Hauch von getrockneter Zitronenverbene und Salbei die Räume und hinter verschlossenen Türen reihen sich große Einweckgläser mit Kräuteransätzen und Tinkturen auf den Regalen aneinander. Im Geschäft findet sich ein großes Sortiment an Natur-, Wald- und Kräuterprodukten sowie Räucherwerk. Karin Buchart und Alexandra Bruckmoser besprechen ein neues Produkt: Was genau, darüber wollen sich die beiden noch nicht konkret äußern. Nur so viel: Es wird in Sprühflaschen abgefüllt werden, so wie auch die neue Basilikum-Sole, die sich binnen kürzester Zeit zum Bestseller entwickelt hat. „Sole ist ein interessantes Produkt, weil man weniger davon benötigt als von herkömmlichem Speisesalz“, erklärt Alexandra Bruckmoser die aktuellen Überlegungen hinsichtlich Produktentwicklung.

Altes Wissen in zeitgemäße Rezepturen verpackt
Seit 2011 ist die Traditionelle Europäische Heilkunde immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe. Damit erhielt der Verein den Auftrag, das alte Heilwissen lebbar zu machen und es zeitgemäß weiterzugeben. So wird etwa bei der Herstellung der Pechsalbe heute nicht mehr Schweineschmalz sondern Olivenöl verwendet. Die traditionellen Rezepte werden im Hinblick auf ihre Praktikabilität verändert, wobei Essenz und Grundprinzip gleichbleiben. Die Pechsalbe gehört zu den Klassikern der TEH und wurde seit jeher im gesamten Alpenraum hergestellt, wenn auch die Rezepturen von Tal zu Tal variierten. In Unken, wo die Forstwirtschaft schon immer eine große Rolle spielte, schätzte man die Pechsalbe als echtes Allheilmittel. Inzwischen ist ihre Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen: Sie wirkt keimtötend, ist antibakteriell, entzündungshemmend und zusammenziehend. Die Salbe kann für tiefer liegende Beschwerden wie Rheuma, Gicht oder Husten eingesetzt werden, aber auch bei Wunden, Furunkeln oder Fieberblasen.

Zeitgemäße Weitergabe eines alten Naturheilwissens
In TEH-Kursen und Workshops wird die Salbe gemeinsam hergestellt: Das Wiegen, Rühren und Abfüllen erfordern die gesamte Aufmerksamkeit, alle Sinne werden angesprochen. „Die Sensorik ist bei der Weitergabe von altem Heilwissen wichtig. Nur darüber zu lesen, reicht meist nicht aus. Man muss es praktisch erlernen“, erklärt Karin Buchart, die bei vielen Kursteilnehmern eine enorme Sehnsucht nach den einfachen Dingen erkennt. „Es gibt momentan ein großes Umdenken – auch bei Schul-medizinern. Das alte Naturheilwissen ist eine wunderbare Ergänzung und sie gibt Menschen das Gefühl, dass sie selbst etwas für ihre Gesundheit tun können. Das allein ist schon gesundheitsfördernd.“ Rund 700 TEH-PraktikerInnen wurden in den vergangenen elf Jahren ausgebildet: Darunter Gastgeberinnen aus dem SalzburgerLand wie Katharina Warter vom Mandlberggut in Radstadt, die vielfach ausgezeichnete Köchin Johanna Maier aus Filzmoos oder Nadja Blumenkamp vom Bio-Hotel Rupertus in Leogang. Insgesamt hat der Verein 50 Kooperationspartner, darüber hinaus gibt es im SalzburgerLand 15 TEH-Schaugärten wie das „Kräuterplatzl Hinterschneeberg“ von Resi Schafflinger hoch über dem Gasteinertal.

Weitere Informationen zu Kursen, Ausbildungen, Workshops etc. unter www.teh.at

Das wussten schon die Großmütter – altbekannte Medizin aus dem Wald:

  • Brennnesselsamen wirken positiv auf das Immunsystem.
  • Holler- und Lindenblütentee tun gut bei aufziehenden oder akuten Erkältungen.
  • Heidelbeeren helfen gegen unspezifischen Durchfall und bei Krampfadern.
  • Fichtenspitzen (Maiwipferl) und Kiefernsprossen haben positiven Einfluss auf die Luft- und Atemwege und wirken gegen Muskel- und Nervenschmerzen. Bei Husten hilft ein Maiwipferl- sirup aus einem Teil Maiwipferl, vier Teilen Wasser und drei Teilen Zucker.
  • Birkenblätter gelten als Entwässerungsmittel.
  • Weißdorn wirkt herzstärkend.

Das neue TEH Wald-Räucherkistl
Die kleine, praktische Holzkiste aus österreichischem Birkenholz ist mit einer Auswahl von heimischen Harzen und Kräutern befüllt. Zum Räuchern eine kleine Prise des Räucherwerks in ein Kupferpfandl über einer Flamme oder auf ein Stück Kohle legen. Das Räuchern hat im SalzburgerLand   lange Tradition und wirkt sowohl auf physischer als auch auf geistiger Ebene: So etwa kann die Luft dadurch gereinigt und desinfiziert werden, doch die Kräuter und Harze wirken sich auch auf Stimmung und Atmosphäre aus.

Zutaten im Wald-Räucherkistl und ihre Wirkung:

  • Zirbenspäne – beruhigend und ausgleichend
  • Alant – zum Durchatmen, bringt Sonne ins Herz
  • Beifuß – wärmend, unterstützend bei Veränderungen
  • Fichtennadeln – heilt alte Wunden, klärt den Geist, fördert die Konzentration
  • Bartflechte – beruhigt die Atemwege
  • Kiefer – bringt Ruhe und Ordnung
  • Mistel – stärkend für Körper und Geist
  • Engelwurz – reinigend und schützend
  • Waldmeister – beflügelt und hebt die Stimmung

TEH-Rezepturen nach dem überlieferten Wissen der Pinzgauer Bäuerinnen:

Lärchpechsalbe

Zutaten:
100 g Olivenöl
20 g Fichtenharz
13 g Lärchenharz
1 g Schafgarbe
1 g Ringelblume
20 g Bienenwachs

Zubereitung:
Das Olivenöl vorsichtig auf ca. 70 Grad erwärmen, das Fichtenharz zugeben und gut rühren, bis sich dieses auflöst. Die Kräuter unterrühren und die Mischung etwa eine Stunde ziehen lassen. Ist das Pech vollständig geschmolzen, die Kräuter und Rindenrückstände vom Harz abseihen. Nun das Bienenwachs zugeben und die Mischung erneut auf ca. 65 Grad erwärmen. Wenn das Wachs geschmolzen ist, die Salbe in Glastiegel abfüllen, vollständig auskühlen lassen und dann verschließen.

Steinpass Bitter Tropfen

Zutaten:
1 Teil Wermut, 20 Teile Biokorn 40 %
1 Teil Enzian, 10 Teile Biokorn 40 %
1 Teil Meisterwurz, 10 Teile Biokorn 40 %
1 Teil Pfefferminze, 20 Teile Biokorn 40 %

Zubereitung:
Die Kräuter im Korn ansetzen und einen Monat lang im Halbschatten ziehen lassen, danach die Tinkturen in folgendem Verhältnis mischen: 2 Teile Wermuttinktur, 1 Teil Enziantinktur, 1 Teil Meisterwurztinktur, 1 Teil Pfefferminztinktur. Sollte der Schnaps zu intensiv sein, kann er mit abgekochtem Wasser gemischt werden.

Waldsalz

Zutaten:
10 g Oswegokraut
10 g Engelwurz
30 g Brennnessel
150 g Fichtenwipfel
800 g Steinsalz

Zubereitung:
Die Kräuter fein hacken, trocknen lassen und mit dem Steinsalz vermischen.

Brennnesselsamenhonig

Zubereitung:
Honig in beliebiger Menge und von dieser Menge 5 % Brennnesselsamen untermengen.

Info:
TEH naturwerke | Niederland 112 | 5091 Unken | T +43 6589 20073-11 | www.teh.at
Salzburger Saalachtal Tourismus | Nr. 310 | 5090 Lofer | T +43 6588 8321 | www.lofer.com

 

 


5. März 2019
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