Zu Besuch im Salzburger FIS Landes-Skimuseum

Das SalzburgerLand und seine Vorreiterrolle im alpinen Skisport

Österreich gilt als die Wiege des alpinen Skisports: Obwohl die Skandinavier die Skier weit früher als Fortbewegungsmittel im flachen Gelände nutzten, waren es die Österreicher, die damit begannen, Berge zu besteigen und mit Skiern abzufahren. Die Geschichte des alpinen Skisports in Österreich ist eng mit dem SalzburgerLand sowie Salzburger Pionieren und Skilegenden verbunden: So gab es hier Österreichs erste Skifabrik und die Stahlkante wurde in Hallein erfunden. Im Salzburger FIS Landes-Skimuseum in Werfenweng wird diese Geschichte detailreich und liebevoll nacherzählt. Der Gründer und Obmann des Museums, Hans Müller, hat seit Kindesbeinen an eine enge Beziehung zum Skifahren, ist gelernter Skibauer und leidenschaftlicher Sammler. Heute ist das Museum ein empfehlenswerter Ausflugstipp für Wintersportler und Schneeliebhaber.

PresseWintererlebnisse

Herr Müller, wie lässt sich Ihre persönliche Leidenschaft für Ski erklären?
Ich bin in Pfarrwerfen geboren und aufgewachsen und das Wandern und Skifahren wurde mir und meinen Geschwistern von meinen Eltern vorgelebt. Mein Vater war Kriegsinvalide, aber das hinderte ihn nicht daran, mit Begeisterung Ski zu fahren. Schon mein Großvater war Wagner und Skibauer. Also irgendwie wurde mir die Liebe zum Skifahren sprichwörtlich in die Wiege gelegt.

Können Sie sich noch an Ihre ersten eigenen Skier erinnern?
Oh ja, da war ich etwa 10 Jahre alt und mein Bruder und ich bekamen von unserem Vater je ein Paar Ski geschenkt. Sie kamen aus der Skifabrik Mayer in Bischofshofen und waren 1,40 Meter lang, zwar ohne Stahlkanten, dafür mit „Buwi Bradl-Lack“ und Kandaharbindung. Heute erscheint es unvorstellbar, mit welcher Ausrüstung man noch vor gut 50 Jahren unterwegs war. So hatten wir beispielsweise keine Aufstiegsfelle für unsere Skitouren: Stattdessen wickelten wir feines Reisig um die Skier und banden das Ganze mit Schnüren fest. So kamen wir auch den Berg hinauf.

Apropos Buwi Bradl und Stahlkante: Zu beidem finden sich interessante Ausstellungsstücke im Museum?
Ja, ein besonders skurriles Stück ist sicherlich der alte Hometrainer von Buwi Bradl (österreichischer Skispringer, der 1936 als erster Mensch auf Skiern über 100 Meter weit gesprungen ist), der heute so historisch anmutet, dass man kaum glauben kann, dass er einer Skisprunglegende gehört hat, die erst Anfang der 1980er Jahre verstorben ist.
Zu den Stahlkanten gibt es eine spannende Geschichte, denn es war der Halleiner Rudolf Lettner, der schon 1917 die Stahlkante erfand. Lettner war Kassendirektor der Saline Hallein und in seiner Freizeit viel in den Bergen unterwegs. Auf der vereisten Tauernscharte im Tennengebirge – man sieht diese sogar von unserem Museum aus – rutschte er aus: Dieser zum Glück glimpfliche Unfall veranlasste ihn aber dazu, die viel zu weichen Holzkanten mit Stahlschienen zu verstärken. In den 1920er Jahren wurden seine Patente genehmigt und Lettner zum Erfinder der Stahlkante und zu einem echten Skipionier.

Sie sind selbst Skirennen gefahren, doch am Ende haben Sie sich für eine Ausbildung zum Wagner entschieden?
Ja, bis zur Spitze hat es bei mir leider nicht gereicht. Die besten Rennläufer haben sich von mir die Skier wachsen lassen und dann haben sie mich auf der Piste sprichwörtlich ‚gewachselt‘. Letztendlich wollte ich Skibauer werden, um einmal selbst g’scheite Ski zu besitzen. Daheim hatten wir immer nur ‚Glumpert‘ (schlechtes, minderwertiges Material). Ab 1968 habe ich meine Ausbildung zum Wagner und damit zum Skibauer in Altenmarkt absolviert. 1972, in dem Jahr, in dem die Kleinarlerin Annemarie Moser-Pröll zum zweiten Mal den Gesamtweltcup in Folge gewann, habe ich das letzte Paar Ski aus der Presse geholt, das ich selbst bauen sollte: Es war ein Ski mit 24-fach verleimtem Holzkern. Das war schon was!

Wie kamen Sie zu Ihrer Sammelleidenschaft?
Da gibt es zwei Momente, an die ich mich gut erinnere. Zum einen habe ich als kleiner Bub meinem Vater geholfen, aus alten Skiern Brennholz zu machen: Alles wurde mit der Holzkreissäge kleingeschnitten und schon damals tat es mir leid um die alten Bretter. Vielleicht war das mitunter ein Auslöser für den Beginn meiner Leidenschaft. Die andere Begebenheit war die, dass ich als Lehrbub einmal den Auftrag bekam, altes Gerümpel in einer Mülldeponie zu entsorgen. Es handelte sich dabei nur um eine ehemalige Schottergrube, in der alles Mögliche landete. Das wertlose alte Zeug war in meinen Augen oft ein kostbarer Schatz: Und genau hier fand ich zwei Bücher von den Olympiaden 1932 und 1936. Sie waren mitunter die ersten Exponate meiner Sammlung. 1988 hab‘ ich meine allererste Ausstellung über die Entwicklung des Skis in Bischofshofen organisiert.

1993 wurde das Salzburger FIS Landes-Skimuseum gegründet und mehr als 1.500 Exponate aus Ihrer Privatsammlung haben hier ihren Platz gefunden. Sie alle erzählen eine beeindruckende Geschichte.
Was viele bis heute tatsächlich nicht wissen, ist die bedeutende Rolle, die dem SalzburgerLand in der Entwicklung des Skisports zukommt. Schon 1895 gab es in St. Martin am Tennengebirge die ersten Skirennen mit Preisverleihung. Der k. u. k. Oberleutnant Georg Bilgeri (1873 – 1934) lehrte seinen Rekruten ab 1902 die skiläuferische Fortbewegung im Gebirge. Ausgehend von der Stadt Salzburg hat er bis zum Ende seiner Karriere rund 45.000 Menschen das Skifahren beigebracht: Ausbildungsort war die Borromäumswiese im heutigen Stadtteil Parsch. Zudem stand Bilgeri in Salzburg einer k. u. k. Skiwerkstätte vor, die jährlich tausende von Skiern herstellte. Ab 1910 gab es im Salzburger Stadtteil Itzling die erste Skifabrik Österreichs. Skifahren sollte vorrangig der Landesverteidigung dienen, bevor es zu einer sportlichen Ertüchtigung wurde.

Welche Inhalte oder Botschaften sollen Gäste bei einem Museumsbesuch mitnehmen?
Die Skikultur, wie sie im SalzurgerLand seit vielen Jahrzehnten gelebt wird, umfasst viele Themen. Wir möchten unseren Besucherinnen und Besuchern zeigen, was alles in und um den Sport passiert. Hier ist Platz für Dialoge über Mensch, Natur und Lebensraum. Mir und auch dem Verein ist und war es aber auch immer wichtig, die Leistungssportler in unserem Land zu ehren. Viele der Athleten waren bereits selbst bei uns im Museum und haben uns ihre Ski vorbei gebracht mit dem Auftrag, gut auf diese aufzupassen. Neben der Dauerausstellung haben wir in den letzten 25 Jahren über 60 Sonderausstellungen organisiert. 2018 haben wir, um Platz für diese Sonderausstellungen zu schaffen, ein 400 Jahre altes Bauernhaus abgetragen und in Werfenweng neben dem Skimuseum wieder aufgebaut. Hier findet sich unter anderem die Sepp-Forcher-Stube, die uns als „Stube des Dialoges“ dient. Sepp Forcher war eines der 30 Gründungsmitglieder unseres Vereins und ist dem Museum bis heute eng verbunden.

Informationen zum Salzburger FIS-Landesskimuseum Werfenweng: www.skimuseum.at

Titelbild: Landesskimuseum Werfenweng © Jakob Lipp


5. Oktober 2020
Newsletter

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr lesen