Komponist der Stille Nacht-Melodie

Leben und Werk des Lehrers, Musikers und Komponisten

Dank eines aufmerksamen Lehrers konnte der musikalische Schöpfer von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ vom Beruf des Leinenwebers selbst auf den des Lehrers und Organisten umsatteln. Der aus dem oberösterreichischen Innviertel stammende Franz Xaver Gruber (1787 – 1863) unterrichtete, musizierte und komponierte vor allem im SalzburgerLand. Als persönlichen Glanzpunkt seiner Karriere empfand er die „Lebensstellung“ als Chorregent von Hallein. Die Anfänge der Popularität seiner Weihnachtsmelodie hat Gruber noch erlebt, den Weltruhm erst seine Nachkommen.

Advent / Stille NachtPresse

Kindheit und Lehrjahre in Oberösterreich
Es waren ärmliche Verhältnisse, in die Conrad Xaver Gruber am 25. November 1787 hineingeboren wurde: In seinem Geburtshaus Unterweizburg 9 in der Gemeinde Hochburg im Innviertel lebten neben den Eltern Josef und Anna bereits vier Kinder, der kleine Conrad war das fünfte. Ein sechstes sollte noch folgen. Erst 1779 war die Region in Folge des Bayerischen Erbfolgekriegs dem „Land ob der Enns“ und damit Österreich zugefallen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren schlecht und die Kleinbauern verdienten sich ihr Zubrot als Heimweber.
Franz Xaver Gruber – der, wie damals üblich, den Vornamen seines Taufpaten Franz annahm – musste zunächst das Handwerk des Vaters erlernen. Doch schon als Kind liebte er die Musik über alles. Sein Volksschullehrer Andreas Peterlechner förderte diese Begabung und erteilte ihm kostenlos Musikunterricht, der jedoch vom Vater mit aller Strenge unterdrückt wurde. Nach einigen Jahren des heimlichen Orgelunterrichts erhielt Franz mit elf Jahren endlich sein eigenes Instrument, nachdem er bei einem spontanen Einsatz als Organist sein außerordentliches Talent unter Beweis stellen konnte.

Franz Xaver Grubers „Talentprobe“ im Jahr 1798
Der Lehrer, der die Orgel an diesem Sonntag hätte spielen sollen, war erkrankt und das Hochamt schien in Frage gestellt. So wurde angefragt, ob der junge Franz Xaver Gruber einspringen könne, der Vater glaubte das allerdings nicht. Nach anfänglichem Zögern erteilte er dennoch die Erlaubnis und begleitete den Sohn zur Messe. Dieser spielte die Orgel zum Erstaunen aller so gut und gewandt wie sein eigener Lehrer. Jetzt war auch der Vater vom Können überzeugt und gab seine ablehnende Haltung gegenüber der Musik auf. Eine Schlüsselszene im Leben des Buben! Es wurde ein Spinett angeschafft, das der Vater selbst von Burghausen nach Hochburg transportierte. Und fortan durfte der junge Franzl am Abend und in seiner Freizeit musizieren.
Ab 1805 konnte er auch die ersehnte Lehrer-Ausbildung in Angriff nehmen. Zunächst vervollkommnete der junge Mann seine musikalischen Fertigkeiten beim Stadtpfarrorganisten Georg Hartdobler in Burghausen, das – auf der anderen Seite der Salzach – auf bayerischem Boden lag und Ausland war. Die Jahre waren überschattet von den Franzosenkriegen – es war eine gefährliche Zeit mit den Besatzern direkt vor der Haustür.
Gruber absolvierte seine Volksschul-Lehrerausbildung in Ried im Innkreis und legte 1806 dort die Prüfungen ab. Das vorgeschriebene Praxisjahr als Schulgehilfe absolvierte Gruber bei seinem Förderer und Lehrer Peterlechner in Hochburg.

Lehrer, Mesner und Organist in Arnsdorf und Oberndorf
1807 trat Gruber seine erste selbstständige Stelle als Lehrer, Mesner und Organist in Arnsdorf an. Nicht jedoch ohne zuvor noch einmal alle Prüfungen in Salzburg zu wiederholen. Noch im gleichen Jahr heiratete er die 13 Jahre ältere Witwe seines Vorgängers, Maria Elisabeth Engelsberger: eine Bedingung der Gemeinde und zu diesen Zeiten durchaus üblich. Mit ihr hatte Gruber zwei Kinder; beide starben früh. Um seine finanzielle Lage zu verbessern und in der Hoffnung, später einmal die Lehrerstelle in Oberndorf zu erhalten, übernahm er 1816 zusätzlich den Kantoren- und Organistendienst in der nur vier Kilometer entfernten St. Nikola-Kirche in Oberndorf.

Musikalische Glanzpunkte in Arnsdorf
Gruber galt als sehr guter Lehrer, seine größte Leidenschaft war aber die Musik. Die Freude am Musizieren verband ihn ab 1817 auch mit dem neuen Oberndorfer Hilfspriester Joseph Mohr, einem passionierten Sänger und Gitarrenspieler. Zu Weihnachten 1818 vertonte Gruber Mohrs sechsstrophiges Gedicht „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ für die Christmette in der St. Nikola-Kirche. Priester und Lehrer sangen es gemeinsam, Mohr übernahm die Gitarrenbegleitung. Nach dieser ersten Darbietung schrieb Gruber auch noch ein Orgelarrangement für das Lied, schien ihm aber sonst keine besondere Bedeutung beizumessen. Er bezeichnete es als “eine einfache Komposition”.
Höhepunkt von Grubers Schaffen in Arnsdorf war das 300-jährige Jubiläum der Wallfahrtskirche “Maria im Mösl” 1820. Das Fest dauerte fünf Tage und zählte 20.000 Besucher. Hochrangige Gäste wie Äbte des Klosters Michaelbeuern und des Salzburger Stifts St. Peter hörten die Konzerte des Orchesters unter der Leitung Grubers.
Nach dem Tod seiner ersten Frau 1825 heiratete Gruber seine ehemalige Schülerin Maria Breitfuß. Der Ehe entstammten zehn Kinder; nur vier erreichten das Erwachsenenalter. Gruber gelang es nicht, nach Oberndorf versetzt zu werden. Es kam auch zu Unstimmigkeiten mit seinem Dienstgeber. 1829 wechselte er als Lehrer und Mesner nach Berndorf bei Salzburg, in eine Gemeinde, die Wert auf gute Kirchenmusik legte.

Ein Leben für die Musik in Hallein
Grubers sehnlichster Wunsch, sich ganz auf die Musik zu konzentrieren, erfüllte sich 1835, als er zum Chorregenten, Choralisten und Organisten der Pfarrkirche von Hallein ernannt wurde. Hallein war damals die zweitgrößte Stadt des Landes und zählte rund 3.500 Einwohner. Voller Elan widmete sich Gruber der Ausbildung von Sängern und Musikern für den Kirchenchor. Er komponierte und wirkte an vielen musikalischen Veranstaltungen auch außerhalb Halleins mit. 1841 starb Grubers zweite Frau. Seine dritte Ehe schloss Gruber ein Jahr später mit der Freundin seiner zweiten Frau, der Schuhmacherwitwe Katharina Rieser (verwitwete Wimmer). Grubers Söhne traten in die musikalischen Fußstapfen ihres Vaters: Der Ältere, Franz, gründete 1847 einen Gesangsverein und 1849 die noch heute existierende Halleiner Liedertafel. Der Zweitgeborene, Felix, folgte seinem Vater als Halleiner Chorregent nach. Franz Xaver Gruber starb 1863 in Hallein an Altersschwäche.
Im Gegensatz zu Mohr, der schon 1848 starb, hat Gruber die ersten Erfolge des Liedes in Deutschland noch miterlebt. Im Jahr 1854 stellte er in seiner „Authentischen Veranlassung“ gleich mehrere Irrtümer richtig: Nämlich, dass das Lied nicht von Michael Haydn komponierte wurde, und dass das Weihnachtslied auch nicht aus dem Tiroler Zillertal stamme, sondern Oberndorf im SalzburgerLand der wahre Ort der Entstehung war.


1. Oktober 2018

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